Landhotel 'Alte Post' (Müllheim)

Es gibt einige Gasthöfe, die in der Literatur Eingang gefunden haben – und die ‚Alte Post’ in Müllheim gehört dazu. Der alemannische Dichter schlechthin, Johann Peter Hebel (1760 – 1826) hat sie 1807 in der ersten Strophe seines Gedichts ‚Der Schwarzwälder im Breisgau’ poetisch verewigt.
‚Z’Müllen an der Post
Tausigsappermost!
Trinkt me nit e guete Wi!
Goht er nit wi Baumöl i,
z’Müllen an der Post!

Hebel konnte diese Verse nur schreiben, weil er Gewissheit hatte, dass die Post schon damals ein traditionelles Gasthaus war. Seit 1746, als Friedrich Heidenreich als Posthalter, Scharfrichter und Klosterverwalter, das Schankrecht erwarb, bestand die ‚Post’, die er 1745 als stattliches Bauwerk erweiterte und vergrößerte. Auf der halben Strecke zwischen Basel und Freiburg, wurde die Poststation der Fürsten zu Thurn und Taxis eingerichtet, Pferde gewechselt und konnten Reisende eine Unterkunft und Wegzehrung erhalten. Wechselhafte Zeiten hatte das Gasthaus durch zu machen – während der französischen Revolution diente die Post als Hauptquartier des Prinzen Condé. Doch auch friedlich gesinnte Gäste kamen zu Besuch – so Goethe auf seiner zweiten italienischen Reise und der badische Markgraf Karl Friedrich.

Doch die Nachfahren der Familie Heidenreich schlossen die Türen des Hauses um 1818. Zwischenzeitlich hatten die moderne Zeiten Einzug gehalten, die Reisenden bevorzugten die neu erbaute Eisenbahn, die nicht weit von der Post entfernt, entlang des Rheintals erbaut wurde. 1846 schildert Gustav Schwab in seinem Werk: ‚Das malerische und romantische Deutschland’ die Situation in Müllheim folgendermaßen: „Schade, dass der Reisende, der an der Post zu Müllheim anlangt, um Hebels Markgräflerwein zu trinken, nur das unfruchtbare Postamtszeichen anstatt des Wirtshausschildes an das Posthorn angeheftet, und dass ihm die Pforte jetzt mit einem Donnerworte aufgetan wird: ’Mir wirtet nümme’.“

Johann Engler, Neffe der Heidenreichs führte das Haus als Poststation weiter und da er zudem Sohn des Bugginger Engelwirts war, nahm er einen ‚Engel’ als Hauszeichen an – der sich als Wetterfahne auf alten Ansichten verewigt findet. Bis zum Jahre 1928 wurden die stattlichen Gebäude als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt. Jakob Friedrich Wechsler, ein weiterer Nachfahre der Familie Heidenreich, wollte wegen des aufkommenden Autoverkehrs an der Durchgangsstraße wieder eine Gastwirtschaft errichten, doch konnte er der erteilten Konzession 1928 nicht Folge leisten. 1933 erwarb Familie Mader den Betrieb, um ihn weiterhin in der Familie zu behalten. Die Einrichtung einer ‚Alemannischen Bauernhochschule’ oder eines ‚Markgräfler Kulturzentrums’ scheiterten, jedoch wurde 1948 an diesem geschichtsträchtigen Ort der Hebelbund gegründet.

1950 regte man in einer Sitzung des Hebelbundes an, dass aus der Post ‚“eine Stätte werden solle, in der dem Gast etwas Besonders geboten werden solle. Wer Einkehr halte, solle einen Begriff bekommen vom Markgräflerland, der Heimat Hebels. Es soll keine städtische Sache, sondern eine Landgaststätte werden, welche die Markgräfler Kultur wiedergibt.“
Doch 1955 wurde das gesamte Anwesen an die Deutsche Motelgesellschaft verkauft, welche das denkmalgeschützte Gebäude bis 1957 für autoanreisende Gäste mit Wirtsstuben, Zimmern, großzügigem Parkplatz, Schwimmbad, Autohalle und Tankstelle ausbaute. Doch die einst stark frequentierte Bundesstraße 3 verlor zunehmend an Reisenden, denn ab 1962 war die neu gebaute Rheintalautobahn durchgängig bis Basel befahrbar!

1986 kaufte Heiner Mack dann das gesamte Anwesen.
Heiner Mack erinnert sich an die Anfangszeiten, die nun über 20 Jahre zurück liegen: „Das Hotel lag wie ein krankes Postpferd da. Es lahmte und war überall verwundet. Normalerweise hätte man es notschlachten müssen. Das einzige, was es noch hatte, waren die jung leuchtenden Augen… wir umsorgten daher das Tier Tag und Nacht – zusammen mit unseren 35 Mitarbeitern, die es ständig mit Begeisterung pflegten – das Haus lag im Dornröschenschlaf – es gab hier keine Gastfreundschaft…“
Gastlichkeit in Einklang mit der Natur haben sich Uschi und Heiner Mack auf ihre Fahnen geschrieben. Das Hotel war 1991 Umwelthotel des Jahres (NGZ), was seitdem ständige Motivation zu weiteren Verbesserungen ist und manchem Hotelbetrieb als Modell dient! .

Selbstverständlich ist Johann Peter Hebel eine separate gemütliche Stube eingerichtet, die seit 2008 mit einen 150 Jahre alten Eichenboden mit acht Zentimeter dicken Dielen ausgelegt ist – in der ‚Alten Post’ baut man aus Überzeugung und mit einer Mischung aus historischen Materialien und modernen Elementen für die Zukunft…


Müllheim im Markgräflerland hat beileibe nichts mit ‚Müll‘ zu tun, sondern rührt von den zahlreichen Wasser-Mühlen her, die in der 758 zum ersten Mal erwähnten Siedlung eifrig betrieben wurden. Doch ist es sicher, dass schon die Römer hier durchgezogen waren, denn unter der Martinskirche finden sich Reste einer römischen Villa. Die Römer brachten die Badekultur ins nahe Badenweiler, hinterließen die Villa urbana in Heitersheim und sorgten sich um den den Weinbau, der heute noch beim Müllheimer Gutedelmarkt und dem Sektmarkt begeisterte Besucher und Liebhaber findet. Der verkehrsgünstig gelegene Ort entwickelte sich 1698 zu einem Marktflecken und bekam 1810 das Stadtrecht verliehen. Zahlreiche Hauszeichen und Wappen machen auf die stattlichen Bürgerhäuser aufmerksam, deren Leben sich um prächtige Innenhöfe abspilet. Turbulente Zeiten erlebte das Landstädtchen in der 1848er Revolution – rief doch Gustav Struve am 23. September 1848 die deutsche Republik vom Balkon des Amtshauses aus.
Unter den Einwirkungen des zweiten Weltkriegs hatte die Garnisonstadt sehr zu leiden – sie beherbergt als eine der wenigen deutschen Städte eine deutsch-französische Brigade in den Kasernen.


Text: Hubert Matt-Willmatt / Beate Kierey

Essen und Übernachten

Bioqualität und beste Zutaten aus der direkten Nachbarschaft prägen die traditionell badische Küche der ‚Alten Post’, die in allen wichtigen Gourmetmagazinen und Gourmetführern prominent vertreten ist. Olaf Wortmann, seit 1998 Küchenchef, hat 2008 auch einen neuen Arbeitsplatz für sich und seine acht Mitarbeiter bekommen – und man kann der emsigen Küchenbrigade bei einem Gang um die Küche durch große Fenster hindurch bei ihrem Wirken zusehen. Der Lipburger Bildhauer Gerhard Helmers hat ein 32 m langes Fliesenband entlang des Küchenrundgangs künstlerisch gestaltet.

Schon 1996 wurde das Untergeschoß und die Sanitäranlagen mit heimischen Baustoffen originell und in satten Erdfarben restauriert, von 1998 bis 2002 die bestehenden drei Etagen umgebaut und die Zimmer mit 110 Gästebetten auch neu möbliert. In der neu gestalteten Vinothek und in einem für Gäste begehbaren Weinkeller kommen Markgräfler Gastlichkeit und Lebensart zum Ausdruck – die ehemalige Hotel-Lobby ist nun Weinloft und auch mit einer Hotelbar ausgestattet. Im Innenhof ist ein lauschiges Gartenrestaurant angelegt!

Landhotel 'Alte Post'
Landhotel 'Alte Post'
Posthalterweg / B 3
79379 Müllheim
Telefon: +49 (0)7631 / 1 78 70
Fax: +49 (0)7631 / 17 87 87
eMail: info@alte-post.net
http://www.alte-post.net

Ruhetage: Kein Ruhetag

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