Landgasthof zur Post (Heiligenberg-Betenbrunn)

Überlieferungen & Mythologie

Wallfahrt zu den Betreuerinnen der Toten

Wurde am Brunnen gebetet? Eindeutig belegt ist die Herkunft des Namens Betenbrunn nicht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde "Bettenbrunnen" im Jahre 1275 im Abgabenbuch der Diözese Konstanz. Wahrscheinlich hat der Name seinen Ursprung in einem Brunnen der drei Beten, die als Betreuerinnen der Toten bereits von den Kelten verehrt wurden. Es handelte sich offenbar um eine heidnische Mütterkultstätte, die später von christlichen Missionaren in einen Ort der Muttergottes-Verehrung umgewandelt wurde.

Die Wahrscheinlichkeit einer frühen heidnischen Kultstätte ist recht hoch, da eine solche auch für das nahegelegene Heiligenberg bzw. den "Mons Sanctus", also diesen ganzen besonderen Bergrücken angenommen werden muss.

Lesen Sie einen Scroll weiter unten Näheres zur Wallfahrt in Betenbrunn und Spannendes über einen geheimnisvollen Stein, der in der Wallfahrtskirche eingemauert ist.


Die Wallfahrtskirche Betenbrunn mit dem Turm von 1373. Hier befindet sich die so genannte "Madonna im Strahlenkranz" (Bild rechts), darunter eine Ortsansicht von Betenbrunn um 1900 (zum Vergrößern bitte anklicken)

In der Kurzbeschreibung des Erzbistums Freiburg zur Wallfahrt (siehe Link ganz unten) wird die Post in Betenbrunn explizit als Pilgergasthaus bezeichnet.

An Marienfesten werden in Betenbrunn noch regelmäßig Wallfahrtsmessen abgehalten.

Die ältesten erhaltenen Kultbilder von Betenbrunn befinden sich in der Wallfahrtskapelle. In dieser steht auch der neubarocke hohe Altar mit der Strahlenmadonna (siehe Bild oben). Das alte Auszugsbild, ganz oben am Altar, zeigt den Wallfahrtsbrunnen (damals noch nicht achteckig), an dem Beter knien.

Von besonderem Interesse für Volkskundler und Kultforscher/innen sind die Verbindungen zu alten heidnischen Kulten, die von den ersten christianisierten Heiden, quasi als Mitgift, in die christlichen Kirchen und die christlichen Rituale eingebracht wurden und bis in die Neuzeit gepflegt werden.

In der Wallfahrtskapelle ist rechts ein interessanter Findling eingemauert. Dieser weist eine eigenartige Vertiefung auf. Die Wallfahrtslegende besagt, dass ein schwedischer Söldner mit seinem Säbel das Gnadenbild zerschlagen wollte, aber abgeglitten sei und somit die Kerbe im Stein verursacht habe.

Es liegt jedoch die Vermutung nahe, dass dieser Stein Bestandteil eines früheren Heidenkultes war. Diese können häufig mit Steinen und deren verbogene Kräfte in Verbindung gebracht werden. Meist waren es heilende, förderliche Wirkungen, die man sich vom Kontakt (berühren, darauf sitzen/liegen, oder -bei den sog. Lochsteinen- das Durchkriechen) mit diesen Steinen versprach.

Bei dem eingemauerten Stein der Wallfahrtskapelle passt genau eine Hand in die Kerbe! Die Hand dort ein zu legen wäre ein klassischer Ritus zum Heilen oder Kraft schöpfen. Interessanterweise gibt es einen Marienstein (also ebenfalls im Zusammenhang mit einer Marien - Kultstätte) im Bayrischen Wald zu dem die Gläubigen kamen, um ihre körperlichen Leiden abzustreifen, wenn sie sich durch den schmalen Spalt zwischen Granitfels und Kirchenmauer durchzwängten.
Frank J. Ebner

Der Stein mit einer mysteriösen Kerbung wurde in der Wallfahrtskapelle eingemauert

Reliquienschrein in der Betenbrunner Wallfahrtskirche

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