Konzil Gaststätte (Konstanz)

Überlieferungen & Mythologie

Geschichte des Konzils

Im 14. Jahrhundert geriet das Papsttum unter französischen Einfluss, und die Päpste hatten ihre Residenz von Rom nach Avignon in Südfrankreich verlegt. Aber da Rom doch die Hauptstadt des Christentums war, forderte man die Rückkehr des Papstes in die Hauptstadt. Nach 70jährigem Aufenthalt in Avignon kam es auch zur Rückkehr nach Rom. Aber eine Gegenpartei bestritt die Rechtmäßigkeit des nach Rom gegangenen Papstes und wählte einen Gegenpapst, der weiterhin in Avignon residierte und von einem Teil des Abendlandes anerkannt wurde. Der Gegensatz zwischen Papst Urban und Papst Klemens zerriss ganz Europa, auch Deutschland. Da alle Welt auf Bereinigung dieses Streites drängte, kamen die Kardinäle beider Parteien auf einer Versammlung in Pisa zusammen, setzten beide Päpste ab und wählten einen neuen. Damit war der Streit aber nicht aus der Welt geschafft, die abgesetzten Päpste dachten nicht daran, ihre Würde niederzulegen. Jetzt hatte man statt zwei Päpsten gar drei, die sich gegenseitig in Bann taten. Da es so nicht weitergehen konnte, schaltete sich König Sigismund als oberster Schirmherr der Kirche ein. Auf einer Zusammenkunft in Oberitalien zwischen König, Kardinälen und dem in Pisa gewählten Papst Johann XXIII. kam es zu einem Vertrag, wonach alle Bischöfe, Äbte, Universitätsprofessoren und Fürsten zu einer allgemeinen Kirchenversammlung, einem Konzil, zusammengerufen wurden, um gemeinsam eine Reformation der Kirche durchzuführen. Dieses Konzil sollte in der Reichsmitte, nämlich in Konstanz stattfinden.
Die Durchführung dieses Konzils brachte für die Stadt Konstanz erhebliche Probleme. Es wurde eine Fremdenordnung erlassen, in der Einzelheiten geregelt wurden. Für ein Doppelbett mussten zwei Gulden pro Monat bezahlt werden, wobei die Bettwäsche nur alle zwei Monate gewechselt wurde. Die Stadt war so voll, dass viele Konzilsteilnehmer in einem Haus regelrecht zusammengepfercht wurden. Manche fanden nur in Ställen, Holzhütten oder großen Weinfässern einen Unterschlupf.
Um die Versorgung der vielen Teilnehmer sicherzustellen, ließ die Stadtordnung den Zuzug fremder Geldwechsler, Bäcker, Wirte, Schneider oder Barbiere zu. Rund 500 zusätzliche Handwerker kamen aus ganz Europa, und Tätlichkeiten waren an der Tagesordnung.
Wenn höchste Herren in die Stadt einzogen, wurden sie von den Geistlichen mit all ihren Reliquien begleitet. Die Stadt selbst machte den hohen Würdenträgern kostbare Geschenke. So wurde einem Papst ein vergoldetes Trinkgefäß überreicht, und damit dies gefüllt werden konnte, schenkte man ihm gleich noch Fässer mit Wein dazu.
Schon kurz nach Eröffnung des Konzils durch König Sigismund zeichnete sich ab, dass man einen Rücktritt aller drei Päpste erreichen wollte. Papst Johann XXIII wollte sich dem durch Flucht entziehen. Der flüchtende Papst wurde vom Pfalzgrafen Ludwig „steckbrieflich“ gesucht. Zu Fuß, mit dem Pferd und Schiff war er bis Schaffhausen gekommen, dort aber gefangen und durch das Konzil abgesetzt worden. Dann dauerte es sehr lange, bis man sich auf den Kreis der Wähler und das Wahlverfahren geeinigt hatte. Der Rat der Stadt hatte also genügend Zeit, das Kaufhaus auf die Papstwahl, den „Konklave“, vorzubereiten. Das Gebäude wurde nach außen durch Vermauern und Verbrettern der Fenster geschlossen, damit keiner der Wähler mit der Außenwelt Kontakt aufnehmen konnte. Im oberen Stockwerk wurde für jeden Wähler eine Zelle eingebaut. Der festgelegte Wählerkreis kam am 8. November 1417 zusammen. Am 11. November 1417 wurde Otto Colonna als Papst Martin V. gewählt und ihm auf einer Tribüne die Tiara aufgesetzt. Anschließend bestieg der neue Papst einen Schimmel, der von König Sigismund eigenhändig geführt wurde und ritt in einem Festzug durch die Stadt.
Durch die Beseitigung der vielen Päpste konnte eine Einheit der Kirche erreicht werden, eine Reform gab es allerdings nicht. Die theologischen Auseinandersetzungen endeten in einem Desaster. Die Lehre von Johannes Hus und seinem Mitstreiter Hieronymus wurden als Ketzerei bezeichnet. Hus wurde im Beisein des Königs zum Tode verurteilt und vor den Toren der Stadt verbrannt. Hieronymus wurde ein Jahr später ebenfalls verbrannt.
Die geistig-intellektuellen Interessen waren auf einen kleinen Kreis beschänkt. Die Mehrheit der Anwesenden in der Stadt genoss alle Formen der Unterhaltung: Dirnen, Spiele, Tänze und Trinkgelage. Bei Turnieren traten z.B. mehrere Patrizier gegeneinander an und wetteiferten etwa um einen Ring oder eine Brosche im Wert zwischen 10 und 20 Gulden. 120 Pfennige entsprachen einem Gulden, das war ein Betrag, für den ein Tagelöhner rund zwei bis vier Monate hätte arbeiten müssen. Die Zahl der Teilnehmer schwankte. Meist endete das Spiel mit einem Festmahl im Gemeinschaftshaus der Patriziergesellschaft „zur Katz“.
Im 14. Jahrhundert bekamen alle Häuser, ob klein oder groß, phantasievolle Namen. Diese wurden auch bildlich dargestellt, so dass sich auch Fremde, die nicht lesen konnten, in der Stadt zurechtfanden.

(Auszüge aus „Kleine Geschichte der Stadt Konstanz“ von Gert Zang, G. Braun Buchverlag, und aus „Kleine Geschichte der Stadt Konstanz“ von Otto Feger, Rosgarten Verlag Konstanz)



Eine Geschichte der Imperia (frei nacherzählt nach Honorè de Balzac und der Übersetzung von Walter Mehring)

Philipp de Malla, ein wohlgebildeter Theologe im Gefolge des Erzbischofs von Tour, kommt zum Konzil nach Konstanz. Er ist arm, trotzdem wagt er es, ins feinste Gebäude der Stadt zu schleichen. Da sieht er, wie Imperia zur Nacht eher aus- als umgezogen wird. Sie erblickt Philipp, lacht ihn aus, gestattet aber einen Besuch am nächsten Tag. Der Erzbischof erkennt, dass Philipp in Imperia verliebt ist und versucht, ihn mit 30 Silberlingen vom Besuch abzubringen. Malla nimmt das Geld, aber nicht als Lohn für Askese, sondern nimmt es als Subvention für sein erotisches Abenteuer. Frisch gebadet und gesalbt erschein er am nächsten Tag bei Imperia, der launenhaften, mächtigen, gottverdammten Schönheit, und sie verliebt sich nun in den jungen Kleriker. Der spontanen Liebe stellen sich jedoch Hindernisse in den Weg, die Philipp zu seinem Vorteil zu nutzen versteht. Zunächst stürmt der Bischof von Chur herein. Statt zu zweit ins Bett geht's zu dritt an den Tisch. Dann naht der Kardinal von Ragusa, der sofort erkennt, dass er zuerst Philipp als Konkurrent ausschalten muss. Er stellt ihn vor die Entscheidung: Imperia heute und einen Strick um den Hals oder eine Abtei und eine Mitra aufs Haupt. Philipp wählt die Abtei samt schriftlicher Beurkundung. Er bedankt sich dafür mit einer gewitzten Eingebung: Ragusa soll dem Churer sagen, er käme gerade von der letzten Ölung des Erzbischofs von Bordeaux, der habe die schwarzen Blattern. Damit verabschiedet sich Philipp von der liebend-wütenden Imperia, bereichert um die Abtei Turpenay und tausend Goldgulden. Ragusa wendet die empfohlene List an und der Churer Erzbischof flieht vor der vermeintlichen Pest. Doch Ragusa findet nicht die Liebe die er sucht, Imperia hält ihn sich mit einem Dolch vom Leib, auch die Drohung der Exkommunikation nützt nichts. Er muss gehen. Imperia ist allein, weint und klagt. Und wie sie in den Spiegel schaut, sieht sie darin Philipp, der zurückkam. Mit dem Lob auf die liebeerfüllte Stadt Konstanz winkt sie Philipp und lädt ihn ein. Damit hat die Geschichte ein diskretes Ende gefunden.

Imperia auf dem Sockel in der Hafeneinfahrt von Konstanz: Skulptur von Peter Lenk
Imperia auf dem Sockel in der Hafeneinfahrt von Konstanz: Skulptur von Peter Lenk
Imperia, die Kurtisane mit dem Kaiser und dem Papst auf den Händen
Imperia, die Kurtisane mit dem Kaiser und dem Papst auf den Händen



Konzil Gaststätte
Konzil Konstanz
Hafenstraße 2
78462 Konstanz
Telefon: +49 (0)7531 / 2 12 21
eMail: mail@konzil-konstanz.de
http://www.konzil-konstanz.de/

Ruhetage: Kein Ruhetag, die Konzilgaststätte ist von 10.00 - 22.00 Uhr geöffnet.

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