Steigenberger Inselhotel (Konstanz)

Entdeckungen im Gasthaus

Zwei außergewönliche Bildzyklen

Der Martyriumszyklus


Wer sich traut, in die Mystik des tiefsten Mittelalters einzutauchen, wird den Wandgemälden im heutigen Festsaal des Inselhotels ehrfürchtig gegenübertreten. Die heute noch erhaltenen 69 Fresken, die Märtyrerszenen darstellen, sind Zeugen der ursprünglichen Bestimmung des dreischiffigen Raumes – einer Kirche.
Auf dem Fries, der sich an der Nordwand des Saales in einer Länge von 20 und einer Breite von 3 Metern erstreckt, sind Märtyrer, wie der Heilige Victor von Marseille, der durch Mühlsteine gemahlen wird, der Heilige Georg, der am Rad gedreht wird, der Heilige Matthias, der gesteinigt wird, die Heilige Domitilla, die verbrannt wird, und sogar der Bethlehemische Kindermord dargestellt.

Bauhistorische Untersuchungen bestätigen, dass die runden Medaillons schon kurz nach der Gründung des damaligen Dominikanerklosters Ende des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts aufgebracht worden waren. Die Mönche glaubten damals, dass ein Martyrium der ehrenvollste Weg sei, um Gott näher zu kommen. Ebenso hofften sie, sich durch die Betrachtung der Szenen in das Leiden Christi versenken zu können.

Der religionsgeschichtliche und kunsthistorische Wert der Werke wurde jedoch im Jahr 1875 keineswegs gewürdigt, als das Klosterareal nach wechselvoller Geschichte im Besitz des Grafen Ferdinand von Zeppelin zum luxuriösen Hotel umgebaut wurde. Große Flächen des ursprünglich aus 102 Einzelgemälden bestehenden Frieses, das unter altem Putz freigelegt worden war, fielen Umbaumaßnamen zum Opfer. Der Rest verschwand unter Tapete; und nur ein kleines Fragment fand den Weg ins damals schon existierende Konstanzer Rosgartenmuseum.

Erst 1966-1970 kamen die wertvollen Kunstwerke wieder ans Tageslicht, als sie vom Freiburger Restaurator Emil Geschöll in aufwändiger Feinarbeit freigelegt wurden.


Der Gast, der heute den Hotelsaal mit seinen hohen Deckengewölben und seinen ehrwürdigen Säulen betritt, fragt sich angesichts der schier unerträglichen Grausamkeit der Folterszenen vielleicht, warum die Abbildungen hier belassen wurden, anstatt fachmännisch abgetragen und ins Museum verbracht zu werden. Lässt man sich darauf ein, erkennt man jedoch, dass auch (und gerade) die Wirkung dieses geschichtlichen Erbes die Einzigartigkeit des Steigenberger Inselhotels ausmacht.


Der Festsaal des Inselhotels mit seinen Säulen und Fresken

Martyriumszyklus: Der Heilige Victor von Marseille wird durch Mühlsteine gedreht

Die Fresken des Karl Häberlin


Betritt man das Inselhotel und geht an der Rezeption vorbei, gelangt man sogleich in einen herrlichen, lichtdurchfluteten Gang mit hohen Spitzbogenfenstern - dem Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters.

Zunächst nimmt man die Schönheit längst vergangener Architektur-Kunst wahr: Das imposante Karree schließt sich um einen offenen Innenhof, den ein riesiger Brunnen ziert. Doch sofort fordern Hunderte von Körpern, Köpfen und Augen die Aufmerksamkeit des Gastes. Allgegenwärtig sind farbenfrohe, überlebensgroße und besonders naturalistische Fresken des Stuttgarter Akademieprofessors Häberlin, die in den Jahren 1888 bis 1904 entstanden.


Häberlin, ein überzeugter Vertreter des seinerzeit gerne praktizierten Pädagogischen Historismus, legte Wert darauf, den Betrachtern seiner Werke Geschichtswissen über bedeutende Ereignisse in der langen Historie des ehrwürdigen Gebäudekomplexes zu vermitteln.

So werden in den großformatigen Wandmalereien z.B. die Ernennung des Konstanzer Bischofs Maximus im Jahr 600, der Empfang der Mönche von St. Gallen und Reichenau 780, die Gründung des Klosters durch Bischof Heinrich von Tann 1236 und der Besuch Kaiser Wilhelms II im Jahr 1888 dargestellt.

Besondere Aufmerksamkeit verdient neben der imponierenden Größe und der Fülle der Abbildungen auch Karl Häberlins Liebe zum Detail. Mimik und Gestik der Personen sind so realistisch dargestellt, dass man im Licht- und Schattenspiel der großen Fenster fast etwas Lebendiges erahnen möchte.
Wenn man genauer hinsieht, bemerkt man auch das verschmitzte Engelchen, das als Malergehilfe das Geschichtsbuch der Insel aufschlägt. Daneben liegt eine leere Geldbörse, die wohl als feiner Fingerzeig des Künstlers auf zu geringe Entlohnung für sein Werk gedeutet werden darf.

Karl Häberlin: Taufe eines Kindes der Genfer Kolonie im Refektorium 1786

Karl Häberlin: Der "schelmische" Soldat


Steigenberger Inselhotel
Insel Hotel
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