Gasthof zum Roten Bären (Freiburg)

Rolle in der Geschichte

...ein Stück ältestes Freiburg

Den Gasthof Zum Roten Bären als steinernes Geschichtsbuch zu bezeichnen ist keine Übertreibung. Deshalb schenkten die Eheleute Hansen während ihrer langen Ägide zwei Dingen besondere Aufmerksamkeit: den Umbauten und der Archäologie (lesen Sie bitte unterhalb der Bilder weiter).


1000-jähriger Pfeiler im Kellergewölbe

Das steinerne Geschichtsbuch aufgeschlagen...


Der "Grafenhof Bertolds 'von Villingen'", der um das Jahr 1000 dort stand, wo heute der "Bären" steht. Rekonstruktion des Hauptbaus von Dr. Immo Beyer

Urkunde vom 13. März 1387. Die Wörter 3 bis 8 in der dritten Zeile lauten: "Hanman wirt ze dem Roten Bern" (vergrößern = anklicken)

Eine über 1000 Jahre altes "Geschichtsbuch aus Stein"

Bei den Umbauten waren die überfälligen Auflagen zum Brandschutz rasch zu realisieren. Dies geschah gleich nachdem die Eheleute Hansen 1972 begonnen hatten den "Bären" gemeinsam zu führen. So wurden in rascher Folge das Treppenhaus erneuert und ein Aufzug eingebaut.

Damals waren die finanziellen Lasten derart urgewaltig, dass die Hansens kurze Zeit sogar mit dem Gedanken spielten, nach Australien auszuwandern. Am Ende aber konnten die Ämter zufrieden gestellt werden; der „Bären“ erhielt sogar eine rückwärtige Ausfahrt nebst kleiner Tiefgarage. „Damals wurden Baupläne zu meiner Lieblingslektüre“, sagt Monika Hansen. Ein zweiter Bauabschnitt – ab 1985 – diente unter anderem dem Ausbau des Dachgeschosses, der dritte – vier Jahre später – der Sanierung der Hotelzimmer im Stammhaus…

Die Geschichte der Hansen-Wirte im „Bären“ ist also nicht zuletzt Baugeschichte und Unterstützung der Archäologie; dies hat das alte Haus unwiderruflich geprägt und für kommende Jahrhunderte fit gemacht.

Etwa im Jahr 1000:
Die Uranfänge Freiburgs rund um den „Grafenhof der Bertolde“


Zugleich öffnete sie aber auch das Tor zur Vergangenheit. Denn während des ersten Bauabschnitts wurden im Hinterhof nahe der ehemaligen Stadtmauer mittelalterliche Latrinen entdeckt – zur Freude der Archäologen! Besonders der Stadtarchäologe Immo Beyer war es, der die Baugeschichte des „Bären“ akribisch dokumentierte. Er entdeckte u. a. eine Brunnenstube aus hochmittelalterlicher Zeit, konnte einen mächtigen Balken im Keller präzise auf das Jahr 1263 datieren (durch eine dendrochronologische Untersuchung) und erkannte, dass die Fundamente des heutigen Gasthofs bis zur Zeit der ersten Jahrtausendwende zurückreichen – also zweihundert Jahre älter sind als Freiburg selbst!

Damals gab es an dieser Stelle einen ottonischem Feudalhof – Beyer bezeichnete ihn als den „Grafenhof der Bertolde“. Er wurde geschützt durch eine Umfassungsmauer, die den Vorgängerbau des „Bären“ und seine beiden Nebengebäude einschloss. Bis heute dauern die archäologischen Forschungen an. Sie bleiben verheißungsvoll: Verdichten sich doch die Hinweise, dass genau an der Stelle, wo heute der „Bären“ steht – unter der ehemaligen „Nase“ des Schlossbergs auf dem Schwemmkegel der wilden alten Dreisam – die Ursiedlung lag, aus der später Freiburg hervorging. Stadtgeschichte und „Bären“-Geschichte fallen zusammen – ja, der „Bären“ selbst war wahrscheinlich seinerzeit eine Keimzelle der Stadt…

Seit 1311 bis zum Ende des 14. Jahrhunderts:
Familie Bienger – Bürger, Bärenwirte, Zunftmeister, Ratsherren


Selten macht ein Gerichtstermin sechshundert Jahre später noch Menschen froh. Dieser schon.

Es war am 13. März 1387. Damals erschien vor dem Freiburger Schultheißen Thoman von Kilchein die Klägerin Anna Buggingerin – ihr gehörte eine Wiese bei Littenweiler – und außerdem Hanman Bienger, der Bärenwirt. Bienger wurde beschuldigt, einen Wassergraben mit Absicht so angelegt zu haben, dass die Wiese von Frau Bugginger nicht ordentlich bewässert werden konnte.

Der Clou des Streites ist für uns Heutige nicht die Wasserfrage, sondern der Umstand, dass der Beklagte im Protokoll dieser Anhörung eindeutig als „wirt ze dem Roten Bern“ bezeichnet wurde. Es ist das älteste Dokument, das den „Roten Bären“ mit Namen nennt und zugleich auch einen der Wirte.

Möglicherweise stammt die Familie Bienger aus dem Dorf Biengen im Nordwesten von Bad Krozingen und Staufen. In Freiburg urkundlich nachweisbar ist sie seit 1311. In diesem Jahr war ein gewisser „Johan der Bienger“ Zeuge bei der Beurkundung des Verkaufs einer „Gült“ (das ist eine besondere Form von Grundstückspfand) – so geschehen am „Dunrestage nach Sant Niclawes“, also am 9. Dezember 1311. In einer anderen Urkunde taucht ein „Johans Bienger“ auf: Der war am 27. Oktober 1361 Gründungsmitglied der bürgerlichen Gesellschaft „zum Gauch“… Und im Verzeichnis der Häuser, die dem Adelhauser Kloster grundzinspflichtig waren, findet sich im Mai 1327 auch das „hus zer oberun lindun“. Dessen Lage wird angegeben wie folgt: „da lit einhalb dran des Biengers hus“. Jeder Freiburg-Kenner wird bei dieser Beschreibung sofort hellwach: Denn steht der „Rote Bären“ nicht heute noch einen Steinwurf weit vom Oberlindenbrunnen entfernt?

Ende des 14. Jahrhunderts hatte Freiburg ungefähr 9.000 Einwohner: Da waren Karrer und Metzger, Kürschner und Tucher, Krämer und Bäcker, Schmiede und Wirte, Gerber und Fischer… Einige der Berufsbezeichnungen finden sich bis heute in alten Straßennamen der Altstadt wieder. Hanman, der Bärenwirt, sollte es bis zum Zunftmeister und Stadtrat bringen. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Stadtchronist Wilhelm Fladt seine – und die Geschichte der übrigen Bienger mit Fleiß und Spürsinn aus den Archiven gehievt. Auf Fladts Ergebnissen stützt sich im Wesentlichen der Anspruch des „Bären“, Deutschlands ältester Gasthof zu sein. Und Fladt zu Ehren trägt ein prächtiger Saal im Gasthof den Namen „WILHELM-FLADT-STUBE“. Inoffiziell nennt man diesen Raum „Tannenzäpfle“ - möglicherweise wegen der länglichen Form…

1680 bis 1723: Der Wirt Andreas Pflug

Zwanzig Jahre gehörte Freiburg zur französischen Herrschaft; Ludwig XIV. selbst besuchte 1681 mit großem Gefolge die Stadt. „Welch ein Garten!“, soll er gesagt haben, als er Freiburg von einer Anhöhe aus vor sich liegen sah.

Kriegs-, Pest-, und Hungerszeiten hatte der „Bären“ bis dahin wie durch Wunderhand überstanden; doch als 1713 im Spanischen Erbfolgekrieg französische Truppen die Stadt mit einem Hagel aus Brandgeschossen eindeckten, war auch der „Bären“ nicht mehr zu retten. Andreas Pflug, der damalige Wirt, entschloss sich zu einem Neubau. Die beiden Häuser, aus denen das Vorderhaus bis dahin bestanden hatte („Großer“ und „Kleiner Bären“) ließ er abreißen und errichtete an ihrer Stelle einen prächtigen, dreigeschossigen Bau. Nur Treppenturm, Giebelwände und Keller ließ er unberührt.

Das meiste, was wir heute am „Bären“ vor uns sehen, hat Andreas Pflug geplant und errichtet. 1718 wurde der neue Bau eingeweiht. Auch der schöne Ausleger mit dem goldenen Bären, der auf die Straße hinausschaut, stammt aus dieser Zeit.

Der "Bären"-Ausleger von Andreas Pflug aus dem Jahr 1718. Rechte Seite: Darstellung des Schwabentors sowie des "Großen" und "Kleinen Bären" im berühmten Freiburg-Plan von Gregorius Sickinger aus dem Jahr 1589.


Gasthof zum Roten Bären
M. Hansen
Oberlinden 12
79098 Freiburg
Telefon: +49 (0)761 / 38 78 70
Fax: +49 (0)761 / 3 87 87 17
eMail: reservierung@roter-baeren.de
http://www.roter-baeren.de/

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