Freiherr von Gleichenstein (Vogtsburg-Oberrotweil)

Anekdoten & Überliefertes

Eine Sonate von Ludwig van Beethoven für den "liederlichen Baron & Herzensfreund"

Worum geht es meist, wenn selbst gute Freunde gelegentlich uneins sind? Richtig, um Frauen...
Der folgenden Schilderung sowie den meisten hier präsentierten Informationen zur Familiengeschichte (sowie den historischen Abbildungen) liegt das Werk Geschichte des Weinguts Freiherr v. Gleichenstein, mustergültig recherchiert von Andreas Dietzel (siehe Linkverzeichnis, unten), zu Grunde.


Therese von Malfatti, gezeichnet 1809 von Julius Schnorr v. Carolsfeld. Ihr Verehrer war kein Geringerer als

Ludwig van Beethoven. Er war mit Freiherr Ignatz von Gleichenstein befreundet, welcher wiederum mit Anna, Thereses Schwester, verheiratet war.

Um seine Ausbildung in der höheren Verwaltung zu vollenden, schickte Carl von Gleichenstein seinen Sohn Ignaz 1801 nach Wien. Dem 23-Jährigem gefiel es ausgezeichnet in der kosmopolitischen und umtriebigen Metropole. Ignaz von Gleichenstein interessierte sich sehr für das kulturelle Leben Wiens und machte durch seine Kontakte zu den Musikerkreisen der Donaustadt im Jahre 1806 die Bekanntschaft von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Das Musikgenie und der sieben Jahre jüngere Baron, dem ein "redliches Gemüth voll Wahrheit und Offenheit" nachgesagt wurde, befreundeten sich rasch. Dies bestätigt ein noch vorhandener umfangreicher Briefwechsel. Herrn von Beethoven darf man sich zurecht als Genie vorstellen aber -wie so oft bei großen Geistern- als einen im täglichen Leben äußerst unbeholfenen Mann. Ignanz` Freundesdienste für den Musiker gingen soweit, dass er ihm Hemden, Halstücher, Federkiele und weitere Dinge des täglichen Bedarfs einkaufte und manche Abläufe organisierte. Sogar in geschäftlichen Angelegenheiten, beispielsweise durch den Entwurf von Verträgen, unterstützte er den genialen Musiker.

Eine Eintrübung dieser sehr weitreichenden Freundschaft ist geradezu prädestiniert, als Ignaz seinen Freund in die Familie von Malfatti einführt. Er selbst heiratete ja später die Tochter des Hauses, Anna, und Beethoven erteilte deren Schwester Therese Klavierunterricht. Wie in einer romantischen Liebesgeschichte entwickelte der Meister gewisse Zuneigungen für das junge Mädchen. Doch das Leben ist kein Liebesroman und die junge Therese erwiderte verständlicherweise die Gefühle des um 24 Jahre älteren und zunehmend tauben Beethoven nicht.

Auch andere Versuche des Komponisten eine Liebesbeziehung zu entwickeln schlugen fehl und er musste in dieser Hinsicht viele Enttäuschungen und Demütigungen hinnehmen, die er dann in den Briefen an Ignaz sehr emotional schilderte. In einer Art Kurzschlussreaktion machte Beethoven kurz darauf der Therese von Malfatti, der er eine Klaviersonate gewidmet hatte, einen offiziellen Heiratsantrag. Die prompte Ablehnung war vorprogrammiert aber erschütterte den Künstler zutiefst.

In seinem Schmerz begegnete er selbst dem langjährigen Freund Ignaz manchmal mit einer gewissen Bitterkeit. In den Briefen aus dieser Zeit scheint der geniale Musiker an seiner ganzen Umgebung zu zweifeln, die "nichts als Wunden" für ihn bereit halte. Andererseits fleht er den Baron an "sage mir die Wahrheit" oder "ich bitte Dich, mich zu beruhigen". Beethoven suchte immer wieder spontan den Rat des Freundes:" Ich erwarte Dich gegen neun Uhr zum Frühstücken", um aber im nächsten Moment wieder zu zweifeln "Du verhehlst mir gewiss etwas". Obwohl der empfindsame Künstler sich in jenen Tagen oft unverstanden fühlte, zerriss das Freundschaftsband zu Ignatz nicht. Beethoven redete ihn mit "Herzens-Nazerl" oder, wenn sich seine humorvolle Seite wieder Bahn brach mit "Liederlicher Baron!" an.

Im April 1809 setzte Beethoven der Freundschaft mit Ignaz von Gleichenstein durch die Sonate für Klavier und Violonchello in A - Dur (Opus 69) ein Denkmal. Er widmete dieses Werk dem Baron aus dem Badischen mit den Worten "Unter Tränen und Kampf". Die Freunde verloren sich aus den Augen, als Ignaz im Frühjahr 1811 Anna von Malfatti heiratete und sich ab 1812 hauptberuflich um die Verwaltung des Rotweilers Familiengutes kümmerte - von Gleichenstein hatte jedoch Beethoven in diesem Jahr nochmals besucht. Ebenfalls versöhnlich aber unter tragischen Umständen endete die Freundschaft dann im Jahr 1827. Ignaz nahm vom zwischenzeitlich völlig gehörlosen Beethoven an dessen Sterbebett in Wien persönlich Abschied.

Zum Gedenken an die oben geschilderte Freundschaft gehen gehen von der Beethoven Weinedition zwei Euro je Flasche als Spende

an den Internationalen Förderverein Beethovenfest Bonn.

Weitere Informationen zu diesen Themen im Internet


Freiherr von Gleichenstein
Freiherr Johannes & Freifrau Christina von Gleichenstein
Bahnhofstraße 12
79235 Vogtsburg-Oberrotweil
Telefon: +49 (0)7662 / 2 88
Fax: +49 (0)7662 / 18 56
eMail: weingut@gleichenstein.de
http://www.gleichenstein.de/

Ruhetage/Öffnungszeiten: Verkaufszeiten sind - Montag bis Freitag 10.00 bis 12.00 Uhr + 13.00 bis 17.00 Uhr * Samstag 10.00 bis 17.00 Uhr * Sonntag (April - Oktober) 11.00 bis 15.00 Uhr * An Feiertagen bleibt die Vinothek geschlossen!

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