Landgasthaus zum Adler (Elzach-Yach)

Rolle in der Geschichte

Zurück zu den Wurzeln

Der erste "Adler" stand am Yacher Dorfbach. Bereits 1770 wird in den Amtsakten ein Adlerwirt in Yach erwähnt. Tragischerweise unterspülte ein Hochwasser des Dorfbaches die Herberge. Sie stürzte ein und wurde total zerstört.
Dem zweiten "Adler" sollte das nicht geschehen. So baute man ihn auf der gegenüber liegenden Seite etwas unterhalb der Kirche. Hier konnte kein Hochwasser ihm etwas anhaben, jedoch musste ein erneuter Schicksalsschlag verkraftet werden. Es war am 28. März 1828, als ein verheerender Brand das Adlerwirtshaus zerstörte.


Die Neumaiers aus Hofstetten. Frieda Gießler, geb. Neumeier (Christians Mutter) ist das Mädchen mit den Zöpfen.

Großeltern Friedrich und Rosa Gießler mit vier Töchtern und drei Söhnen im Nachkriegsjahr 1948


Yach um 1900. Der Adler (gegenüber der Kirche) spielte eine wichtige Rolle...

im klassischen Dörflichen Dreiklang zu dem noch das Rathaus (rechts neben der Kirche) gehörte. Oben der Gastraum in den 1960ern.

Der dritte "Adler" wurde noch im gleichen Jahr errichtet. Paradoxerweise nun wieder am ursprünglichen Platz am Bach. Aus der Dorfchronik entnehmen wir, dass die sogenannten "Gerichtstage, das sind die Gemeinderatssitzungen oder die Beurkundungen von Ehe- und Kaufverträgen in den beiden Wirtshäusern "Adler" und "Sonne" stattfanden. So sind 1839 im Adler vier Sitzungen des Ortsgerichts verzeichnet. Damals gehörte noch eine Mühle zum Haus. Die Mühle gibt es leider nicht mehr, aber das Gasthaus steht noch heute wie 1828 errichtet am Wasser - gegenüber der Kirche, zu der der "Adler immer gehörte.

Harte Zeiten

Aber auch für die Familien im dritten "Adler" waren die Zeiten nicht leicht. Friedrich Gießler, der Großvater des heutigen Adler-Wirtes erlebte beide Weltkriege. Zurück aus dem ersten Weltkrieg - er galt bereits als verschollen - fand er den "Adler" leer, geplündert und teilweise zerstört und musste den Trümmerhaufen erst wieder aufbauen. Als weiteres Unglück musste er verkraften, dass sein Bruder Karl 1914 im ersten Monat des Krieges fiel. Auch im zweiten Weltkrieg konnte der Gastbetrieb nicht aufrechterhalten werden. Im Dezember 1944 übersiedelte das Kinderheim Riegel nach Yach. 60 Personen waren in der Schule und im "Adler" untergebracht. Im Saal des "Adler" wurde gegessen und geschlafen. Nach dem zweiten Weltkrieg konnte der Gasthof erst 1945 wieder geöffnet werden. Bei dem vorerwähnten Saal handelte es sich um den damals üblichen Tanzsaal. Er befand sich im 2. Stock des Hauses und wurde bis in die 60-Jahre für Veranstaltungen genutzt. Danach entstanden hier inzwischen notwendig gewordene Gästezimmer.

Was sicher zum Überleben der Familien beigetragen hat, war, dass immer Landwirtschaft, eine eigene Metzgerei und Bäckerei betrieben wurden (siehe eingemeißelte Symbole über der alten Eingangstüre - Foto oben). Kühe, Schweine und Hühner wurden gehalten, die Tiere am Hof geschlachtet und verarbeitet. Vater Karl Gießler, Metzgermeister, erledigte noch bis 1990 Hausschlachtungen der eigenen Schweine und auch der Tiere von Nachbarhöfen. Im Weinkeller lagerten Fässer voller Wein aus dem Kaiserstuhl. Auch das Backhäusle mit Ofen aus Sandsteinen ist Geschichte, die Schnapsbrennerei wird dagegen bis heute betrieben.

Werfen Sie einen Blick auf den schönen Ausleger mit Doppeladler, aber auch über die alte Eingangstüre. Hier fallen in Sandstein gemeißelte Symbole auf - ein Brolaib, eine Sonne und Brezel für die Bäckerei sowie Hackebeil, Fleischermesser und Wetzstein für die Metzgerei.

Wie hätten die Familien ohne dies überleben sollen? Der junge Christian Gießler erinnert sich an seine Kindheit: Es war die Zeit, als der Schwarzwaldtourismus weiter Fahrt aufnahm. Im "Adler" wurden bereits sieben Gästezimmer vermietet. Es kamen Rheinländer, Hessen und Hamburger zur Erholung in das abgelegene Tal. Christian und seine vier Geschwister teilten sich ein Zimmer. Es gab aber noch ein Notzimmer über dem Schweinestall. In dieses mussten die Kinder ausweichen, wenn mehr Gäste kamen. Das Quietschen der Schweine hatten die Kinder noch lange im Ohr. Eltern, Kinder und alle Gäste teilten sich ein Bad und eine Toilette. Man kann sich die Engpässe vorstellen, wenn die Kinder vor dem Weg zur Schule noch ein Bedürfnis hatten, das stille Örtchen aber von einem Gast belagert wurde. "Der Gast ist König" mag in solchen Situationen zum Fluch geworden sein. Bescheidenheit ist eine Tugend, die für die Familie aus der Not geboren war. So kann sich Christian noch gut daran erinnern, dass es nicht für alle Kinder genügend gute Turnschuhe gab. Für seinen Sportunterricht hat er dann nicht selten einer seiner Schwestern mit der gleichen Schuhgröße und den besseren Turnschuhen diese frühmorgens geklaut. Benötigte die Schwester ihre Sportschuhe später selbst, platzte sie in seinen Unterricht und zog ihm die Turnschuhe wieder aus.

Vieles ist einfacher geworden, der Gast ist König geblieben. Das Motto heute lautet "...nur das Beste für die Gäste - wir fliegen auf Sie!". Sicher auf den Schwingen des Adlers!

Hausschlachtung mit Großvater (li.) und den Zwillingen Karl und Josef (re.)

Der Adlerwirt Friedrich Gießler (Foto um 1960) schlachtete noch bis 1990 die eigenen Schweine


Landgasthaus zum Adler
Christian Gießler
Dorfstraße 48
79215 Elzach-Yach
Telefon: +49 (0)7682 / 85 94
eMail: service@adler-yach.de
http://www.adler-yach.de

Ruhetage/Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch
geöffnet: Montag, Donnerstag, Freitag, Samstag ab 16.00 Uhr, Sonn- und Feiertage ganztägig

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